Sozialquartier Innenstadt

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Sozialstrukturanalyse

Quelle: Stadt Oberhausen, Bereich Statistik und Wahlen, Bearbeitung: Patricia Scherdin

 

 

Die soziale Lage und Chancen von Menschen sind eng mit ihrem Wohnort, dem Quartier, in dem sie leben, verbunden. Die Lebenslage der Oberhausener Bevölkerung unterscheidet sich - je nach Wohnort - deutlich voneinander. Ein Teil der Oberhausener Sozialquartiere zeichnet sich durch eine wirtschaftlich und sozial gute Gesamtsituation aus, während sich in anderen Teilräumen spezifische Problemlagen konzentrieren.


Ein Sozialquartier, welches sich in diesem Zusammenhang besonders herauskristallisiert, ist die Innenstadt.


Die vorliegende Analyse soll einen Überblick über das Sozialquartier Innenstadt der Stadt Oberhausen geben. Dabei werden demographische, soziale und ökonomische Kennzahlen zur Beschreibung des Quartiers herangezogen. Zur besseren Einordnung dieses Quartiers in den gesamtstädtischen Kontext erfolgt ein Vergleich zur Gesamtstadt. In einem zweiten Schritt erfolgt eine zielgruppenspezifische Auswertung. Die im Rahmen der Vorarbeiten des Projektes ‚Aktiv für Arbeit im Stadtteil’ identifizierten Zielgruppen sind Alleinerziehende, Jugendliche und große Bedarfsgemeinschaften.

 

Datenbasis bilden vor allem Daten die im Oberhausener Sozialstrukturatlas zur Verfügung gestellt sind. Um die einzelnen Zielgruppen jedoch detaillierter zu betrachten, werden zusätzliche Daten herangezogen.

 


Überblick über das Sozialquartier Innenstadt

 

Zum Stichtag 31.12.2012 leben 211.173 Menschen in Oberhausen. Der Anteil der minderjährigen Bevölkerung liegt in Oberhausen bei 15,7 % und jeder fünfte Oberhausener (21, %) ist 65 Jahre oder älter. In den letzten zehn Jahren hat Oberhausen 9.278 (-4,2 %) Einwohner/-innen verloren. Und auch zukünftig wird Oberhausen deutlich vor allem als Folge eines massiven Sterbefallüberschusses, der sich aus dem Rückgang der Geburten und der Alterung der Bevölkerung ergibt, an Bevölkerung verlieren.
Der Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung beträgt in Oberhausen 11,9 %. Die Zahl der nichtdeutschen Bevölkerung ist im Gegenteil zur deutschen Bevölkerung seit 2002 leicht um 1.041 Personen bzw. 4,3 % gestiegen. Insbesondere in den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl der nichtdeutschen erhöht. Die deutsche Bevölkerung ist seit 2002 um -5,3 % gesunken.
Deutlich anders sieht das in den unteren Altersklassen aus. Aufgrund der Änderung des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahr 2000, die Zuwanderung von Spätaussiedlern und Einbürgerungen wird die Unterscheidung nach Staatsangehörigkeit zur Beschreibung der Bevölkerungsstruktur als unzureichend angesehen, da dadurch nicht mehr alle Personen mit Migrationshintergrund erfasst werden. Dies gilt insbesondere für in Deutschland geborene Kinder von Ausländern, die aufgrund des geänderten Staatsangehörigkeitsrechts unter bestimmten Voraussetzungen bei der Geburt automatisch die deutsche Staatangehörigkeit erhalten. So nimmt die Zahl der nichtdeutschen Bevölkerung in Oberhausen vor allem in den unteren Altersgruppen seit einigen Jahren deutlich ab. Es ist jedoch zu vermuten, dass sich die Integrationsbedarfe, der jetzt rechtlich gesehen deutschen Kinder und Jugendlichen, nicht verändert haben. Die Zahl der ausländischen Bevölkerung unter 18 Jahren hat sich dadurch seit 2002 um -39,0 % verringert.
Aufgrund dieser Veränderung ermittelt der Bereich Statistik und Wahlen seit 2010 neben der Staatsangehörigkeit der Bevölkerung auch deren Migrationshintergrund. Bezieht man also die Bevölkerung, die zwar die deutsche Staatsangehörigkeit hat, aber auch eine persönliche oder familiäre Zuwanderungsgeschichte haben mit ein, so beträgt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund 23,7 %. Der Anteil ist damit doppelt so hoch wie der Anteil der Bevölkerung mit nichtdeutschem Pass. Eine noch deutlich höhere Bedeutung hat diese Ausweitung der statistischen Erfassung der Personen mit Migrationshintergrund in den jüngeren Altersgruppen. Der Anteil der nichtdeutschen unter 18-Jährigen an der altersgleichen Gesamtbevölkerung beispielsweise beträgt 11,3 %, berücksichtigt man alle Kinder unter 18 Jahren mit einem Migrationshintergrund erhöht sich deren Anteil auf insgesamt 42 %.
Das weist zudem auf eine jüngere Altersstruktur der Personen mit Migrationshintergrund hin, als bei der Bevölkerung ohne Migrationsintergrund. Während 27,9 % der Personen mit Migrationshintergrund unter 18 Jahre alt sind, und lediglich 8,1 % 65 Jahre oder älter, sind bei den Personen ohne Migrationsintergrund lediglich 11,9 % unter 18 Jahre alt und 24,9 % 65 Jahre und älter.

Die Innenstadt ist im Vergleich zu den übrigen 26 Oberhausener Sozialquartieren das drittgrößte Quartier gemessen an der Einwohnerzahl. Insgesamt leben hier 13.016 Einwohnerinnen und Einwohner bzw. 6,2 % der Oberhausener Bevölkerung. Die Altersstruktur entspricht in etwa der gesamtstädtischen Altersstruktur. 16,6 % der Innenstadt-Bewohner sind unter 18 Jahre alt, 18,9 % sind 65 Jahre und älter. Nach Lirich-Süd ist der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund in der Innenstadt mit 40,4 % am höchsten und liegt damit deutlich über dem städtischen Durchschnittswert. Insgesamt haben dort 5.262 Personen einen persönlichen oder familiären Migrationshintergrund. Bei den unter 18-jährigen Kinder und Jugendlichen beträgt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund 61,3 %.
Eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit haben 23,7 % der Einwohner insgesamt in der Innenstadt, auch dieser Wert liegt damit deutlich über dem städtischen Durchschnitt.


Wie in der Gesamtstadt hat auch das Sozialquartier Innenstadt in den vergangenen zehn Jahren Bevölkerung verloren. Der Bevölkerungsverlust fällt mit -2,5 % aber leicht moderater aus als in der Gesamtstadt. Dabei ist die deutsche Bevölkerung um -9,7 % und damit stärker als in der Gesamtstadt (-5,3 %) zurückgegangen und die nichtdeutsche Bevölkerung ist um 31,4 % gestiegen, ebenfalls deutlich stärker als in der Gesamtstadt (4,2 %).

 

Familienstruktur

 

Im Oberhausener Stadtgebiet verteilen sich 2012 insgesamt 103.025 Haushalte, wobei in 19,8 % (20.381) dieser Haushalte mindestens ein Kind unter 18 Jahren lebt. Bei einem Viertel (24,5 %; 4998) der Haushalte mit Kindern handelt es sich wiederum um Haushalte von Alleinerziehenden. Mehr als die Hälfte der Haushalte mit Kindern ist eine 1-Kind-Familie (56 %), in 11,1 % der Familien leben drei und mehr Kinder. In jedem vierten Haushalt mit Kindern (26,2 %) lebt mindestens ein ausländisches Haushaltsmitglied.

Alleinerziehende, kinderreiche Familien und ausländische Familien bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit. Diese Familien sind zwar nicht per se benachteiligt, aber es handelt sich dabei um Familien, die häufiger als andere auf Unterstützungen angewiesen sind, da sie u. a. aufgrund ihrer jeweils besonderen Familiensituation besonderen Anforderungen und Belastungen im Familienalltag gegenüber stehen. Zudem haben Auswertungen der Familienbefragung 2010 gezeigt, dass diese Familien häufiger als andere Familien einen geringen Bildungshintergrund aufweisen und aus diesem Grund auch häufiger mit finanziellen Problemen konfrontiert sind.

 

In der Innenstadt können im innerstädtischen Vergleich hinter Alstaden die meisten Haushalte gezählt werden, der Anteil der Haushalte mit Kindern ist gegenüber der Gesamtstadt mit 17,5 % jedoch leicht unterdurchschnittlich. Dennoch ist die Anzahl der Familienhaushalte mit 1.235 in der Innenstadt sehr hoch. Hinter Alstaden und Buschhausen / Biefang weist die Innenstadt damit die drittgrößte Zahl der Haushalte mit Kindern auf. In der Innenstadt findet man zudem den stadtweit zweithöchsten Anteil Alleinerziehender (36,0 %) und mit 18,2 % auch den zweithöchsten Anteil kinderreicher Familien (drei und mehr Kinder).
Der Anteil ausländischer Familienhaushalte ist in der Innenstadt am höchsten. In fast jedem zweiten Familienhaushalt (48,6 %) lebt mindestens ein ausländisches Familienmitglied.
Im Zeitverlauf hat sich der Anteil der ausländischen Familien in der Innenstadt von 42,9 % im Jahr 2007 auf aktuell 48,6 % erhöht. Und auch bei den kinderreichen Familien ist eine zunehmende Tendenz erkennbar. Hier ist der Anteil von 14,8 % auf 18,2 % gestiegen. Bei den Alleinerziehenden schwankt der Anteil in den Jahren 2007 bis 2012 zwischen 38,5 % und 35,1%.

 

Soziale Stabilität

 

Zur Messung sozialer Stabilität und der Attraktivität von Wohnquartieren können Wanderungsdaten herangezogen werden. Dabei kann eine hohe Fluktuation der Bevölkerung auf instabile Verhältnisse bzw. auf fehlende oder unzureichende lokale Integration und Identifikation mit dem eigenen Wohnort hinweisen.

Die Wanderungssalden bzw. Umzugssalden geben an, ob ein Quartier durch Wanderungen an Bevölkerung gewinnt bzw. verliert und kann bei differenzierter Auswertung z.B. nach Staatsangehörigkeit Hinweise zur räumlichen Segregation, z.B. aufgrund von Zuzügen ausländischer Personen in Quartiere mit bereits hohem Ausländeranteil geben.  Wegzüge deuten eher auf Probleme der Wohnqualität hin. Das Wanderungsvolumen bildet dabei das Ausmaß der Wanderungsfluktuation ab.

 

Die Innenstadt weist in den letzten drei Jahren einen leicht positiven Wanderungssaldo auf, bei einem konstanten hohen Wanderungsvolumen. Stadtweit finden in der Innenstadt die meisten Zu- und Fortzüge statt und auch im Verhältnis der dort lebenden Bevölkerung ist das Wanderungsvolumen im Vergleich der übrigen Sozialquartiere am höchsten. 18,6 % der Innenstadtbewohner sind 2012 entweder von außerhalb der Stadt in das Quartier oder aus dem Quartier in eine andere Stadt gewandert. Hinzu kommen die Bewegungen die innerhalb der Stadtgrenzen erfolgen. Die Anzahl derer, die aus einem anderen Sozialquartier in die Innenstadt umgezogen ist bzw. aus der Innenstadt in ein anderes Oberhausener Sozialquartier oder aber innerhalb der Innenstadt umgezogen ist, liegt 2012 mit 2.911 noch einmal etwas höher als die Wanderungsbewegungen. Im Austausch mit der Stadt (Umzugssaldo) hat die Innenstadt jedoch leicht um -0,8 % verloren.

Die Innenstadt gewinnt demnach leicht an Bevölkerung durch Zuzüge von außerhalb der Stadt, verliert aber an Bevölkerung im Austausch mit der Stadt, so dass sich Zuzüge und Wegzüge in der Innenstadt etwa die Waage halten.
Der leicht positive Wanderungssaldo ergibt sich dabei aus dem Wanderungsgewinn der nichtdeutschen Bevölkerung. Insgesamt sind 2012 673 Nichtdeutsche in die Innenstadt zugezogen und 573 aus der Innenstadt in eine andere Stadt gezogen. Auch die deutsche Bevölkerung weist ein überdurchschnittliches Wanderungsvolumen auf, die Zu- und Fortzüge gleichen sich aber aus. Bei den innerstädtischen Bewegungen weisen sowohl die deutsche (-0,8 %) als auch die nichtdeutsche (-0,3 %) Bevölkerung einen leicht negativen Umzugssaldo auf.

 

Ökonomische bzw. materielle Lebenssituation

 

Ende 2012 bezogen in Oberhausen insgesamt 26.658 Personen in 13.881 Bedarfsgemeinschaften, Leistungen nach dem SGB II. Eine Bedarfsgemeinschaft umfasst dabei mindestens eine erwerbsfähige hilfebedürftige Person. Insgesamt waren damit 16,0 % der Oberhausener Bevölkerung unter 65 Jahre auf diese finanzielle Unterstützung angewiesen. In den Jahren seit 2006 hat sich die SGB II-Quote dabei kaum verändert. 2008 lag die Quote kurzeitig etwas niedriger, liegt aber 2012 wieder auf dem gleichen Niveau wie 2006. Der Anteil der Kinder unter 15 Jahre, die Sozialgeld beziehen, liegt noch einmal deutlich über der Gesamtquote und beträgt 27,4 %. Ende 2012 bezogen in Oberhausen 7.267 unter 15-Jährige Sozialgeld nach dem SGB II. Seit 2006 (25,5 %) hat sich die Sozialgeldquote dabei leicht erhöht. Die tatsächliche Anzahl der Leistungsbezieher/-innen im Alter von unter 15 Jahren ist jedoch in diesem Zeitraum um insgesamt 499 Personen (-6,4 %) zurückgegangen. Da die Anzahl der unter 15-Jährigen insgesamt aber deutlicher gesunken ist (-13,0 %), kommt es zu einer Erhöhung der Sozialgeldquote.

Der Bezug von Transferleistungen kann als Indiz für soziale Benachteiligung herangezogen werden. Dabei gehen mit dem Leistungsbezug neben finanziellen Engpässen auch meist soziale Benachteiligungen in weiteren Lebensbereichen (Bildung, Gesundheit…), eingeschränkte Handlungsspielräume und ungleiche gesellschaftliche Teilhabe einher. Ein hoher Anteil an Leistungsempfängern weist somit auf eine schwierige soziale Situation hin.

 

Das Quartier Innenstadt zählt zu den sozial benachteiligten Oberhausener Sozialquartieren. Hier wird die durchschnittliche SGB II-Quote von 16,0 % deutlich überschritten. Jeder dritte unter 65-Jährige bezieht hier Leistungen nach den SGB II. Stadtweit ist sowohl die SGB II-Quote insgesamt als auch die Sozialgeldquote der unter 15-Jährigen in der Innenstadt am höchsten. Mit 55,4 % sind ist hier mehr als die Hälfte der unter 15-Jährigen auf Sozialgeld nach dem SGB II angewiesen. Zudem hat sich die Sozialgeldquote seit 2006 noch deutlich um 8,9 %-Punkte erhöht. Dabei hat sich hier nicht nur der Anteil der Leistungsbezieher/-innen an der altersgleichen Bevölkerung erhöht, sondern – anders als gesamtstädtisch - auch die tatsächliche Anzahl der betroffenen Kinder. Im Jahr 2006 bezogen 865 unter 15-Jährige Sozialgeld in der Innenstadt, Ende 2012 sind es 995 Kinder und Jugendliche.

Neben den hohen Anteilen an Leistungsbezieher/-innen nach dem SGB II ist außerdem auch die Arbeitslosigkeit in der Innenstadt überdurchschnittlich hoch. In Oberhausen insgesamt sind Ende 2012 9,0 % der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bzw. 4,9 % der 15 bis unter 25-Jährigen ohne Arbeit. Die Innenstadt weist mit 17,5 % die höchste Arbeitslosenrate im Vergleich der anderen Sozialquartiere auf und mit 8,6 % die zweithöchste Jugendarbeitslosigkeit (15- bis unter 25-Jährige).
Im Zeitverlauf seit 2006 sind die durchschnittliche Arbeitslosigkeit und etwas deutlicher auch die Jugendarbeitslosigkeit in der Innenstadt gesunken. 2010 hatten beide Raten im Betrachtungszeitraum ihren Tiefstpunkt, sind dann aber wieder gestiegen. Die Jugendarbeitslosenrate ist 2012 wieder etwas niedriger als 2011.

 

Bildung und Gesundheit

 

Bildungserfolge und -misserfolge werden entscheidend durch das soziale Umfeld mitgeprägt. Benachteiligungen zeigen sich dabei bereits bei den Jüngsten beispielsweise beim Übergang in die Schule bzw. bei der Vorbereitung für den Übergang in die Grundschule.
Als Schlüsselkompetenz beim Übergang in die Schule gilt die Sprachfähigkeit von Kindern. Der Erwerb der deutschen Sprache ist entscheidend für einen erfolgreichen Bildungsverlauf. Insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund benötigen Unterstützungen für den Erwerb der deutschen Sprache, da sie in der Regel deutsch als Zweitsprache erlernen. Jedoch zeigen Studien, wie PISA, dass auch ein enger Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und der Sprachfähigkeit besteht. Aus diesem Grund werden alle Kinder bereits im Alter von vier Jahren in einem Sprachstandsfeststellungsverfahren (Delfin 4) auf ihre Sprachfähigkeit hin getestet. Damit soll möglichst frühzeitig - noch vor Eintritt in die Schule - einer mangelnden Sprachfähigkeit mit zusätzlicher Sprachförderung entgegengewirkt werden.

Seit 2009 ist der Anteil der Kinder bei denen ein Sprachförderbedarf attestiert worden ist, relativ konstant. Ein Drittel (33,1 %) der vierjährigen Kinder in Oberhausen benötigen 2012 eine zusätzliche vorschulische Sprachförderung. Dabei bestätigt sich, ein hoher Sprachförderbedarf vor allem bei Kindern mit Migrationshintergrund. Zwei Drittel dieser Kinder weisen eine nicht ausreichende Sprachfähigkeit auf. Bei den nichtdeutschen Kindern zeigt sich seit 2010 sogar noch ein Anstieg des Anteils Kinder mit Sprachförderbedarf, während sich bei den deutschen Kindern mit einer 2. nichtdeutschen Staatsangehörigkeit eine leicht sinkende Tendenz zeigt, wobei auch diese auf einem sehr hohen Niveau verbleibt. 2009 wurden 72,9 % dieser Kinder eine zusätzliche Sprachförderung verordnet, 2012 sind es 60,4%. In der Innenstadt benötigt nahezu jedes zweite vierjährige Kind (48,4 %) eine zusätzliche Sprachförderung. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ist dieser Anteil unverändert.

 

Der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schulform stellt eine weitere wichtige Schwelle für die Bildungsbiographie aller Kinder dar. Die Wahl für eine bestimmte Schulform bestimmt den Verlauf des weiteren Bildungsweges, aber auch die späteren beruflichen Möglichkeiten dabei maßgeblich mit. In Oberhausen ist die Gesamtschule die meist besuchte Schulform. Im Schuljahr 2012/13 wechselten insgesamt 1.712 Schüler/-innen von einer Oberhausener Grundschule in die Sekundarstufe I einer weiterführenden Schule. 41,8 % der Kinder wechseln nach der Grundschule auf eine Gesamtschule, 34,3 % auf ein Gymnasium, 20,0 % auf eine Realschule und 3,4 % auf eine Hauptschule. Dabei hat die Gesamtschule im Vergleich zu den Vorjahren gewonnen, während auf eine Hauptschule deutlich weniger Schüler/-innen wechseln als zuvor. Dieser Rückgang ist vermutlich vor allem auf die anstehenden Hauptschulschließungen zurückzuführen.

In der Innenstadt ist die Übergangsquote zur Gesamtschule – wie in der Gesamtstadt – im Vergleich der übrigen Schulformen am höchsten. 33,8 % der Schüler/-innen, die in der Innenstadt eine Grundschule besucht haben, haben sich für diese Schulform entschieden. 29,6 % wechseln auf ein Gymnasium, 26,5 % auf eine Realschule und 9,5 % auf eine Hauptschule. Damit liegen die Übergangsquoten zur Gesamtschule und zum Gymnasium unter dem städtischen Durchschnitt und die Übergangsquoten zur Realschule und Hauptschule über dem Durchschnitt der Stadt.

 

Auch die Gesundheit insbesondere die Gesundheitsvorsorge steht in einem engen Zusammenhang mit den sozialen Rahmenbedingungen. Der Oberhausener Kindergesundheitsbericht hat u. a. deutlich gemacht wie stark gesundheitsrelevante Verhaltensweisen mit dem Bildungshintergrund in Zusammenhang stehen. Das Profil der Kinder aus einem Haushalt mit einem niedrigen Bildungsstatus ist durch deutlich überdurchschnittliche Ausprägungen der negativen Verhaltensweisen und gleichzeitig durch unterdurchschnittliche Ausprägungen bei den positiv in ihrer Wirkung diskutierten Merkmalen charakterisiert. Sportliche Aktivitäten und Bewegung zählen ebenso wie die Früherkennungsuntersuchungen zum präventiven Bereich. Im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung wird von den untersuchenden Ärzten unter anderem festgehalten, ob Kinder ein vollständiges Untersuchungsheft aufweisen und ob eine Mitgliedschaft im Sportverein vorliegt bzw. wird bei entsprechenden Faktoren aus medizinischer Sicht eine Sportempfehlung für mehr Bewegung gegeben.

 

Bei der Schuleingangsuntersuchung 2012 lag bei 95,4 % der Schulanfänger/-innen das Untersuchungsheft vor. Bei 24,2 % der Kinder mit Untersuchungsheft konnte eine unvollständige Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen festgestellt werden. Dabei sind bei den späteren Untersuchungen U7 bis U9 die Anteile der Kinder, bei denen keine Untersuchung stattgefunden hat größer als bei den früheren Untersuchungen, die im ersten Lebensjahr durchgeführt werden. Die U9 haben 2012 9,0 % der Kinder nicht wahrgenommen. Im Vorjahr waren es lediglich 6,8 %.

In der Innenstadt haben 2012 90,8 % der untersuchten Kinder ihr Untersuchungsheft vorgelegt. Mit 39,8 % hat hier ein deutlich überdurchschnittlicher Anteil der Kinder mindestens eine Lücke in der Untersuchungsreihe. Bei der U9 weisen 13,6 % der Kinder eine Vorsorgelücke auf, womit der Anteil über dem städtischen Durchschnitt liegt. Zudem liegt der Anteil der Kinder ohne U9-Untersuchung in der Innenstadt damit deutlich über dem Anteil des Vorjahres (4,8 %).

 

Genau die Hälfte aller Schulanfänger/-innen in Oberhausen ist 2012 Mitglied in einem Sportverein. Von den 50,0 % der Kinder, die nicht Mitglied in einem Sportverein waren, hat jedes dritte Kind eine Sport-Empfehlung erhalten. Mit 30,8 % sind Kinder aus der Innenstadt deutlich seltener in einem Sportverein als in Oberhausen insgesamt. Die dokumentierten Sportempfehlungen der Kinder die nicht in einem Sportverein sind, sind jedoch mit 25,6 % geringer als im Stadtdurchschnitt. Im Zeitverlauf ist der Anteil der Kinder im Sportverein gestiegen. 2010 waren lediglich 19,4 % der Schulanfänger/-innen in einem Sportverein, das war stadtweit der geringste Anteil. 2011 waren ein Viertel der Kinder Mitglied in einem Sportverein und 2012 sind es nun 30,8 %.

 


Potentiale und Defizite -

Typische Problemlagen der Zielgruppen

 

Während der obige Berichtsteil vor allem dazu dient, die Innenstadt demographisch und sozialstrukturell zu beschreiben sowie gesamtstädtisch einzuordnen, wird im aktuellen Abschnitt der Blick auf die ausgewählten Zielgruppen Alleinerziehende, Jugendliche und Große Bedarfsgemeinschaften in der Innenstadt gerichtet. Die Zielgruppen werden dabei zunächst kurz definiert und im Anschluss vor allem mittels Daten aus der Leistungsstatistik nach dem SGB II der Bundesagentur für Arbeit näher betrachtet.

 

Alleinerziehende

 

Alleinerziehende sind alle Mütter und Väter, die mit mindestens einem minderjährigen Kind ohne einen Ehe- oder nichtehelichen Lebenspartner/-in in einem Haushalt dauerhaft zusammen leben. Dabei können aber auch weitere Personen über 18 Jahre mit im Haushalt wohnen, wie z.B. erwachsene Kinder oder Geschwister. Relativ ähnlich ist die Definition in der Grundsicherungsstatistik für Arbeitsuchende. Hier wird das Merkmal Alleinerziehend auf Basis eines Bevollmächtigten erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (BVEHB) mit einem oder mehreren minderjährigen, unverheirateten Kindern (MUK) vergeben.

 

In Oberhausen gibt es 2012 insgesamt 4.998 Alleinerziehende, davon leben 444 im Sozialquartier Innenstadt. Betrachtet man die Alleinerziehenden-Haushalte im Vergleich zu allen Haushalten mit Kindern so ergibt sich ein Anteil von 36,0 % in der Innenstadt. Mehr als jeder dritte Haushalt in der Innenstadt ist demnach ein Haushalt von einem Alleinerziehenden. Womit der Anteil deutlich über dem städtischen Durchschnittswert von 24,5 % liegt. 8,3 % der Alleinerziehenden in der Innenstadt sind männlich (Gesamtstadt 9,5 %).

Differenziert nach Altersgruppen zeigt sich, dass die Alterskategorie der 35- bis unter 45-Jährigen mit 36,3 % in der Innenstadt ( so auch in Oberhausen insgesamt (39,5 %)) am stärksten besetzt ist. Dieser hohe Anteil ist vor allem darauf zurückzuführen, dass gerade im mittleren Alter Mütter und Väter häufiger durch eine Trennung vom Partner betroffen sind. 55,9 % der Alleinerziehenden in dieser Altersklasse sind geschieden. Im Vergleich zur Gesamtstadt zeigt sich in der Innenstadt zudem eine leicht jüngere Altersstruktur der Alleinerziehenden. Während der Anteil der 18- bis unter 25-Jährigen sowohl in Oberhausen insgesamt als auch in der Innenstadt 5,6 % beträgt, ist der Anteil der 25- bis unter 35-Jährigen mit 34,0 % deutlich höher als in der Gesamtstadt (25,8 %).

 

Betrachtet man die Alleinerziehenden im Vergleich zu allen Haushalten mit Kindern nach Altersgruppen, so fallen relativ hohe Anteile der Alleinerziehenden in der Alterskategorie der 18- bis unter 25-Jährigen auf. In der Innenstadt ist die Hälfte der Haushalte mit Kindern in der jüngsten Alterskategorie alleinerziehend. In Oberhausen ist der Anteil mit 56,1 % sogar noch etwas höher. Der hohe Anteil der Alleinerziehenden in dieser Altersklasse ist damit zu begründen, dass sich Paare in der Regel erst zu einem späteren Zeitpunkt für ein Kind entscheiden.

 

Legt man abschließend den Fokus auf die Kinder in den Familien so leben in Oberhausen 7.314 (22,6 %) der insgesamt 32.379 Kinder in einem Alleinerziehenden-Haushalt. In der Innenstadt lebt jedes dritte Kind (32,9 %) mit nur einem Elternteil zusammen. Der Großteil der Alleinerziehenden hat dabei lediglich ein Kind. In Oberhausen insgesamt sind es 67,2 % der Alleinerziehenden, in der Innenstadt 62,8 %. Der Anteil der Alleinerziehenden mit drei und mehr Kindern ist mit 14,4 % in der Innenstadt höher als in der Gesamtstadt (9,5 %).

In den Paarhaushalten mit Kindern liegt der Schwerpunkt ebenfalls bei einer Ein-Kind-Familie, aber mit 47,3 % in der Innenstadt und 52,4 % in Oberhausen ist der Anteil deutlich geringer als bei den Alleinerziehenden. Der Anteil der Haushalte mit zwei Kindern ist hingegen deutlich höher. Drei und mehr Kinder haben 20,4 % der Paarhaushalte mit Kindern in der Innenstadt und 11,6 % im Durchschnitt der Stadt.

 

Alleinerziehende Leistungsempfänger/-innen nach dem SGB II

 

In Oberhausen gibt es Ende 2012 insgesamt 13.881 Bedarfsgemeinschaften. Davon sind etwa die Hälfte Single-Bedarfsgemeinschaften, 10,5 % sind Paare ohne Kinder und ein Drittel (34,6%) sind Bedarfsgemeinschaften mit Kindern. Davon wiederum sind 2.660 (19,2 %) Bedarfsgemeinschaften von Alleinerziehenden und 2.145 (15,5 %) von Paaren. In der Innenstadt ist die Verteilung relativ ähnlich, der Anteil der Single-Haushalte ist noch leicht höher (54,3 %), der Anteil der Alleinerziehenden mit 17,1 % leicht unterdurchschnittlich. 16,0 % sind Paare mit Kinder und 10,1 % Paare ohne Kinder.


Berechnet man die SGB II-Quoten der einzelnen Bedarfsgemeinschaftstypen, in dem man die SGB II-Bedarfsgemeinschaftstypen auf die entsprechenden Haushaltstypen insgesamt bezieht, so fallen die Haushalte von Alleinerziehenden deutlich heraus. Über die Hälfte der Alleinerziehenden in Oberhausen beziehen Leistungen nach dem SGB II.

 

In der Innenstadt sind es mit 70,5 % fast drei Viertel der Haushalte von Alleinerziehenden, die Leistungen nach dem SGB II beziehen.

 

Kinder in Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften

 

In Oberhausen beziehen 2012 insgesamt 8.608 Kinder staatliche Transferleistungen nach dem SGB II. 4.295 dieser Kinder, also etwa die Hälfte lebt in einem Alleinerziehenden-Haushalt. In Relation zu allen Kindern, die mit nur einem Elternteil zusammen wohnen, heißt das, dass 58,7 % dieser Kinder, auf Leistungen nach dem SGB II angewiesen sind. Unabhängig vom Haushaltstyp bezieht jedes vierte Kind in Oberhausen Transferleistung nach dem SGB II.


In der Innenstadt leben 1.153 Kinder in einer SGB II-Bedarfsgemeinschaft. Etwas weniger als die Hälfte dieser Kinder (46,7 %) lebt davon in einer Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaft, jedoch sind das 82,8 % aller Kinder in einem Alleinerziehenden-Haushalt.

 

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte in Bedarfsgemeinschaften von Alleinerziehenden

 

Die SGB II-Statistik der Bundesagentur für Arbeit ermöglicht noch weitere Auswertungen, z.B. nach Arbeitslosenstatus und Bildungshintergrund der Leistungsempfänger/-innen. So dass die Alleinerziehenden noch genauer in den Blick genommen werden können. In den 326 Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften in der Innenstadt leben insgesamt 430 erwerbsfähige Leistungsberechtigte, darunter sind 106 unverheiratete Jugendliche im Alter von 15 bis unter 25 Jahren. Unter diesen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sind Personen enthalten, die für Maßnahmen der Aktivierung und Orientierung nicht zur Verfügung stehen, da sie eine Nichtaktivierung gem. § 10 SGB II haben. Darunter fallen z.B. Alleinerziehende mit Kind/ern unter drei Jahren, Personen die noch eine Schule besuchen oder sich in einer Ausbildung befinden sowie Personen die die Pflege von Angehörigen übernommen haben. Aus diesem Grunde ist die Auswertung der Personen im Status ‚arbeitslos’ von Bedeutung, da es sich hierbei um die Personen handelt, die für Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung stehen. Insgesamt sind 43,5 % (187 Personen) der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in einer Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaft arbeitslos.

 

Große Bedarfsgemeinschaften

 

Eine Bedarfsgemeinschaft (BG) bezeichnet eine Konstellation von Personen, die im selben Haushalt leben und gemeinsam wirtschaften. Dabei hat eine BG (nach § 7 SGB II) mindestens einen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb).


Der Begriff der BG ist dabei enger gefasst als derjenige der Haushaltsgemeinschaft respektive Wohnungsgemeinschaft, zu der alle Personen gehören, die auf Dauer mit einer BG in einem Haushalt leben und wirtschaften. So zählen z. B. Großeltern und Enkelkinder sowie sonstige Verwandte und Verschwägerte nicht zur BG.

 

Als Große Bedarfsgemeinschaft werden in der vorliegenden Analyse alle Bedarfsgemeinschaften mit mindestens fünf Personen verstanden. D.h. es können entweder eine Alleinerziehende-BG mit mindestens 4 Kindern unter 18 Jahren, oder aber eine Partner-BG mit mindestens 3 Kindern unter 18 Jahren sein.

 

Ende 2012 leben in 1.931 der Familienhaushalte in Oberhausen mindestens fünf Personen. Das entspricht einem Anteil an allen Haushalten mit Kindern von 9,5 %. Dabei sind 92,5 % dieser großen Familien Paar-Haushalte mit mindestens drei Kindern, und entsprechend 7,5 % Alleinerziehenden-Haushalte mit mindestens vier Kindern.

 

In der Innenstadt ist der Anteil der großen Familien mit 14,6 % überdurchschnittlich hoch. Damit weist die Innenstadt stadtweit den höchsten Anteil Familien mit fünf und mehr Personen auf. Insgesamt sind 180 der Familien in der Innenstadt diesem Familientyp zuzuordnen. In diesen Familien leben 637 Kinder bzw. 29,8 % der in der Innenstadt lebenden Kinder. Im Durchschnitt der Stadt lebt jedes fünfte Kind (20,3 %) in einem fünf Personen oder größeren Haushalt. Bei 105 (58,3 %) dieser großen Familien in der Innenstadt handelt es sich um eine Bedarfsgemeinschaft, die Leistungen nach dem SGB II bezieht. Stadtweit ist etwa ein Drittel (35,5 %) dieser Familien auf staatliche Transferleistungen angewiesen. Differenziert man nach Paar- und Alleinerziehenden-Haushalte, so beziehen in der Innenstadt 54,0 % (87) der Paarhaushalte mit mindestens drei Kindern und 94,7 % (18) der Alleinerziehenden-Haushalte mit mindestens vier Kindern Leistungen nach dem SGB II. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Anzahl der Alleinerziehenden mit mindestens vier Kindern mit insgesamt 19 Familien relativ klein ist.

 

Insgesamt leben in der Innenstadt 61,2 % (390) der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in einer großen Bedarfsgemeinschaft, und sind somit auf Transferleistungen nach dem SGB II angewiesen.

 

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte in Großen Bedarfsgemeinschaften

 

Von den insgesamt 542 Personen in einer großen Bedarfsgemeinschaft sind 223 erwerbsfähig und entsprechend 319 - vor allem aufgrund ihres Alters (unter 15 Jahre) - nicht erwerbsfähig. Bei 55 Personen der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in großen Bedarfsgemeinschaften handelt es sich um unverheiratete Jugendliche im Alter von 15 bis unter 25 Jahren.


Auch hier werden aufgrund der genannten Gründe (s. S. 15) nur die arbeitslosen Personen näher betrachtet. Aus großen Bedarfsgemeinschaften stehen in der Innenstadt insgesamt 77 Personen für die Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

 

Differenziert man diese Gruppe nach ihrem erreichten Schulabschluss, so haben mehr als drei Viertel (80,3 %) der arbeitslosen Leistungsbezieher/-innen in Großen Bedarfsgemeinschaften keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss. 10,6 % besitzen die mittlere Reife, und jeweils 4,5 % die Fachhochschulreife bzw. das Abitur. Darüber hinaus besitzen 81,8 % der arbeitslosen Leistungsbezieher/-innen in diesen Bedarfsgemeinschaften keine abgeschlossene Berufsausbildung. In Oberhausen insgesamt liegt der Anteil mit 81,6 % auf gleichem Niveau.

 

Jugendliche

 

Abschließend wird im Folgenden nun noch die Zielgruppe der Jugendlichen beleuchtet.


Als Jugendliche werden in der hier vorliegenden Analyse alle ab dem erwerbsfähigen Alter von 15 Jahren bis unter 25 Jahren gezählt, analog zur Definition des Statistischen Bundesamtes.


In Oberhausen sind 2012 insgesamt 23.803 der Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 25 Jahre alt. 1.474 (6,2 %) dieser Jugendlichen leben in der Innenstadt. Mit 28 % hat davon in der Innenstadt ein deutlich höherer Anteil als in Oberhausen insgesamt (16,1 %) eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Einen Migrationshintergrund haben 45,7 % der Jugendlichen in der Innenstadt (Gesamtstadt = 28,2 %). Im Zeitverlauf hat sich die Zahl der Jugendlichen seit 2006 sowohl in der Innenstadt (-2,1 %) als auch in Oberhausen insgesamt (-2,0 %) leicht verringert, was vor allem an der Abnahme der deutschen 15 – bis unter 25 –Jährigen liegt. Der Anteil der 15- bis unter 25-Jährigen nichtdeutscher Staatsangehörigkeit ist im selben Zeitraum hingegen gestiegen. Auch die Zahl der Jugendlichen mit Migrationshintergrund steigt seit 2010 tendenziell an. In der Innenstadt etwas deutlicher als im Durchschnitt.

 

Jugendarbeitslosigkeit und Beschäftigung

 

Von den 23.803 Jugendlichen in Oberhausen, sind 2012 1.170 arbeitslos. Das entspricht einem Anteil von 4,9 %. In der Innenstadt ist der Anteil mit 8,6 % fast doppelt so hoch.


Der Großteil der arbeitslosen Jugendlichen ist sowohl in Oberhausen insgesamt als auch in der Innenstadt arbeitslos im Rechtskreis SGB II. Im Durchschnitt sind es drei Viertel der arbeitslosen Jugendlichen, in der Innenstadt ist der Anteil mit 85,8 % noch einmal höher. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigte unter 25-Jährigen liegt in der Innenstadt hingegen mit 28,4 % deutlich unter dem Durchschnittswert der Stadt (34,9 %). Rückblickend ist der Anteil der Arbeitslosen dabei seit 2006 unstetig zurückgegangen, und die Beschäftigtenquote der Jugendlichen leicht angestiegen. Auffällig ist das Jahr 2010. Sowohl der Anteil der Arbeitslosen als auch der Anteil der Beschäftigten ist in diesem Jahr in der Innenstadt zurückgegangen, und im Folgejahr wieder angestiegen.

 

Jugendliche Leistungsberechtigte im SGB II

 

In Oberhausen leben insgesamt 3.730 der 23.803 Jugendlichen von Arbeitslosengeld II, das entspricht einem Anteil von 15,7 % aller Jugendlichen zwischen 15 und unter 25 Jahren. In der Innenstadt liegt der Anteil der Jugendlichen mit Arbeitslosengeld II-Bezug mit 31,3 % (468 Jugendliche) doppelt so hoch wie im Durchschnitt und markiert damit den stadtweit höchsten Wert. Etwas mehr als jeder vierte dieser Jugendlichen (27,1 %; 127 Personen) ist arbeitslos und steht somit dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Im Vergleich zu den bisher betrachteten Gruppen hat bei den Jugendlichen arbeitslosen Leistungsberechtigten mit 25,6 % ein geringerer Anteil keinen Schulabschluss. Deutlich höher ist hier hingegen der Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss. Jeder zweite arbeitslose Jugendliche Leistungsberechtigter weist einen Hauptschulabschluss auf. 14,9 % haben die mittlere Reife, 4,1 % die Fachhochschulreife und 5,0 % haben die allgemeine Hochschulreife. Der Anteil der Jugendlichen ohne eine abgeschlossene Ausbildung ist hingegen mit  90,6 % noch einmal höher als unter den beiden anderen Zielgruppen. Bei den Jugendlichen in Oberhausen insgesamt beträgt der Anteil ohne abgeschlossene Ausbildung 85,8 %.

 

Fazit

 

Die im ersten Teil dieser Auswertung ausgewählten Indikatoren beschreiben die demographischen und sozialstrukturelle Situation und Entwicklung im Sozialquartier Innenstadt der Stadt Oberhausen. Das Indikatorenprofil (Abb. 14) stellt die wichtigsten Ergebnisse zusammenfassend noch einmal im Querschnitt und vergleichend zur Gesamtstadt dar.

 

Die soziale Lage und Chancen von Menschen sind eng mit ihrem Wohnort, dem Quartier, in dem sie leben, verbunden. Die Lebenslage der Oberhausener Bevölkerung unterscheidet sich - je nach Wohnort - deutlich voneinander. Ein Teil der Oberhausener Sozialquartiere zeichnet sich durch eine wirtschaftliche und soziale gute Gesamtsituation aus, während sich in anderen Teilräumen spezifische Problemlagen konzentrieren. Ein Sozialquartier, welches sich in diesem Zusammenhang besonders herauskristallisiert, ist die Innenstadt.

 

Die Innenstadt ist im Vergleich zu den übrigen 26 Oberhausener Sozialquartieren das drittgrößte Quartier gemessen an der Einwohnerzahl. Insgesamt leben hier 13.016 Einwohnerinnen und Einwohner bzw. 6,2 % der Oberhausener Bevölkerung. Der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund liegt in der Innenstadt mit 40,4 % deutlich über dem städtischen Durchschnittswert (23,7 %). Insgesamt haben hier 5.262 Personen einen persönlichen oder familiären Migrationshintergrund. Bei den unter 18-jährigen Kinder und Jugendlichen beträgt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund 61,3 % (42,0 %). Die Innenstadt weist ein konstant hohes Wanderungsvolumen auf. Die sich dabei ergebenden leicht positiven Wanderungsgewinne resultieren aus dem Zuzug nichtdeutscher Bevölkerung.
Auch familienstrukturell fällt das Quartier auf. So findet man hier stadtweit den zweithöchsten Anteil Alleinerziehender (36,0 %) und mit 18,2 % den zweithöchsten Anteil kinderreicher Familien. Und auch der Anteil ausländischer Familienhaushalte ist mit 48,6 % am höchsten.
Das Quartier zählt zu den sozial benachteiligten Oberhausener Sozialquartieren. Sowohl die Arbeitslosenquote (17,5 %), die SGB II-Quote (33,5 %) als auch die Sozialgeldquote der unter 15-Jährigen ist in der Innenstadt am höchsten. Mehr als die Hälfte (55,4 %) der unter 15-Jährigen sind hier auf Sozialgeld nach dem SGB II angewiesen. Zudem hat sich die Sozialgeldquote seit 2006 noch deutlich um 8,9 %-Punkte erhöht. Dabei hat sich hier nicht nur der Anteil der Leistungsbezieher/-innen an der altersgleichen Bevölkerung erhöht, sondern auch die tatsächliche Anzahl der betroffenen Kindern. Die Benachteiligungen zeigen sich dabei bereits bei den Jüngsten. So benötigt nahezu jedes zweite vierjährige Kind (48,4 %) eine zusätzliche Sprachförderung. Und im Vergleich zur Gesamtstadt wechselt ein geringerer Anteil der Grundschüler/-innen auf eine Gesamtschule oder auf ein Gymnasium, während ein höherer zur Real- oder Hauptschule wechselt.
Zudem weisen Kinder aus der Innenstadt häufiger eine Vorsorgelücke (Früherkennungsuntersuchungen) auf und sind deutlich seltener Mitglied in einem Sportverein.

 

Die verschiedenen Kennzahlen belegen, dass sich in der Innenstadt in großem Maße Aspekte sozialer Ungleichheit konzentrieren. Hier leben viele Personen mit Migrationshintergrund, der Anteil der Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf (Alleinerziehende, kinderreiche) ist hier besonders hoch und viele der hier wohnenden Menschen sind auf staatliche Transferleistungen angewiesen. Hinzu kommen Benachteiligungen im Bereich der Bildung und Gesundheit von Kindern.

 

Aus dieser klar gewordenen Konzentration der Problemlage leitet sich ein hoher Unterstützungsbedarf der in der Innenstadt lebenden Bevölkerung ab.

 

Die Auswertung im zweiten Teil nimmt die Situation der drei definierten Zielgruppen ‚Alleinerziehende’, Große Bedarfsgemeinschaften’ und ‚Jugendliche’ noch einmal etwas genauer in den Blick.

Diese drei Gruppen beziehen sehr häufig Transferleistungen nach dem SGB II, insbesondere in der Innenstadt. Fast drei Viertel der Alleinerziehenden in der Innenstadt sind auf diese finanzielle Unterstützung angewiesen. Aus Sicht der Kinder, leben sogar 82,8 % aller Kinder in Haushalten von Alleinerziehenden, im Leistungsbezug.

Bei den Großen Familien mit mindestens fünf Personen beträgt der Anteil der Familien, die Leistungen nach dem SGB II beziehen, 58,3 %. Und bei den Jugendlichen 15-bis unter 25-Jährigen ist ein Drittel (31,3 %) betroffen.

Darüber hinaus zeigt die Auswertung nach Bildungsabschlüssen, dass Leistungsberechtigte im SGB II überproportional häufig einen geringen oder keinen Schul-und Berufsabschluss haben. Unabhängig vom Typ der Bedarfsgemeinschaft haben etwa drei Viertel keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss. Zudem verfügen zwei Drittel (69,8 %) der arbeitslosen Leistungsberechtigten in Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften, mehr als drei Viertel (81,8 %) der Großen Bedarfsgemeinschaften und 90,6 % der Jugendlichen über keine abgeschlossene Berufsausbildung.

 

Es wird deutlich, dass das Ziel sein muss, diese Zielgruppen weiter und besser zu qualifizieren, um diesen mittel-und langfristig einen Weg aus dem Transferleistungsbezug zu ebnen und sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren.


 

 

Den Bericht können Sie sich auch als PDF runterladen.

Informationen zu den anderen Sozialräumen der Stadt Oberhausen erhalten Sie hier

  • Europäische Union Arbeit NRW